Unser Projekt in Deva, Rumänien


Geschichte des Klosters und der Schule

Das Kloster von Deva ist bulgarischen Franziskanern zu verdanken. Sie kamen als Seelsorger für ihre Landsleute hierher, als diese wegen ihres Glaubens von den Türken verfolgt wurden. Nach der monatelangen Flucht aus ihren früheren Niederlassungen in der Kleinen Walachei – etwa 150 km südlich von Deva – ließen sie sich im Jahr 1712 in Deva nieder.

Die Franziskaner errichteten als erstes eine kleine Kapelle, die aber bald zu klein wurde. So begannen sie im Jahr 1723 mit dem Bau der heutigen Kirche, die in den 1760er-Jahren die heutige Form annahm.

Gleichzeitig begannen sie in harter Arbeit das Klostergebäude zu errichten, in das sie auch eine Volksschule integrierten. 1735 stand das Kloster im Wesentlichen bereits in der heutigen Form. Damals war die Pfarre zweisprachig, bulgarisch und ungarisch, später blieb es bis heute bei Ungarisch.

Die Franziskaner in Deva

Die Franziskaner sahen neben dem gemeinsamen Gebet ihre wichtigste Aufgabe in der Seelsorge. Schon im Jahr 1714 erhielten die Franziskaner die Genehmigung zur Leitung einer Grundschule. Das von den Franziskanern aufgebaute Schulsystem wurde allmählich zur Domäne dieses Ordens. Bis nach dem Ersten Weltkrieg blieben auch in Deva sämtliche Schulen in den Händen der Franziskaner.

Trotz der hervorragenden Qualität der von den Franziskanern geführten Schulen schloss der Staat schon bald nach dem Weltkrieg eine Schule nach der anderen. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Danach, im Jahr 1948, wurden auch die übrigen Schulen verstaatlicht.

In den franziskanischen Klöstern lebten die Geistlichen bis zu diesem Jahr einigermaßen unbehelligt, später wurden sie massiv bedrängt. Bedrohung, Verfolgung und Beschlagnahme waren an der Tagesordnung. Der Staat versuchte die bestehende Ordnung der Franziskaner zu zerstören. Die Ordenshäuser sollten konfisziert und die Brüder vertrieben werden. Die Deportation nach Sibirien drohte.

Eines Nachts wurden die Klöster von Ordnungskräften gestürmt. Die Ordensleute hatten knapp zwei Stunden Zeit, ihre geringen Habseligkeiten einzupacken. Sie wurden ins Kloster von Maria Radna bei Lippa transportiert. Dort sollten sie verhungern.

Aber es kam anders. Trotz aller Repressionen blieben die Franziskaner tapfer und stark. Die Peiniger änderten die Taktik. Sie verteilten die Festgehaltenen auf mehrere Lager und hielten sie unter strengem Hausarrest, viele Jahre hindurch. Zuletzt griff man zu noch drastischeren Mitteln: zu Verhaftungen, zu Untersuchungshaft und mehrjährigen Gefängnistrafen. Erst 1964 ließ man die bis auf Haut und Knochen abgemagerten Patres frei. Sie durften nicht in ihre Klöster zurückkehren und man ließ sie auch nicht mehr ihre vorherigen Ämter ausüben, so besetzten diese mit Billigung des Bischofs mehrere Pfarren, um dort als Pfarrer tätig zu werden.

Das Kloster verkommt

Die Brüder waren fortgebracht worden. An ihre Stelle besetzten in Deva staatliche Institutionen das Kloster. 1970 und 1975 trat die Marosch gewaltig aus den Ufern. Kirche und Kloster hatten wie große Teile der Stadt unter den gewaltigen Überschwemmungen zu leiden. Die Folgen dieser Naturkatastrophen bewirkten immerhin, dass die Besatzer auszogen. Danach blieb das Kloster für viele Jahre unbewohnt und schien ruiniert. Den Ordensoberen der Franziskaner in Siebenbürgen war dieser Umstand seit Langem schmerzlich bekannt. Der Provinzial hoffte noch immer, das Kloster wieder zurückzubekommen, vergebens.

Im Herbst des Jahres 1992 hielt der Provinzial die Zeit für gekommen, das Kloster, das dem Orden schon seit bald drei Jahrhunderten gehörte, endlich wieder in Besitz zu nehmen. Sich voll im Besitz der alten Rechte wähnend, entsandte er zwei junge Ordensbrüder nach Deva, die seinen Plan in die Tat umsetzen sollten. Die beiden beherzten Franziskaner begannen unverzüglich mit der Restaurierung der Klosterruine.

Einer von ihnen war Pater Csaba.

Revitalisierung

Pater Csaba begann sofort, in Abstimmung mit dem Provinzial seine Pläne umzusetzen. Das Kloster wurde in zwei Bereiche geteilt: das Obergeschoss war für eine kleine Klausur gedacht, zu der nur die Franziskaner Zutritt hatten, der Rest des Gebäudes sollte der Unterkunft, Ausbildung und Erziehung der Kinder dienen.

Das Rumänien-Team der ersten Tage erkannte unmittelbar die Notwendigkeit zu rascher Hilfe. Gerti Werner war damals die treibende Kraft, die „Laaber“ und die „action 365“ waren mit großer Freude und immensem Einsatz an der Hilfsaktion beteiligt.

In Mauer und Laab im Walde wurde eifrig gesammelt, was gebraucht wurde: Gerätschaften, Kleidung etc. Es war der Anfang regelmäßiger jährlicher Transporte, meist mit unzähligen Schwierigkeiten.

Gründung der Stiftung „Hl. Franziskus“

Ab 15. September 1993 war das seit einem halben Jahrhundert verstummte Kloster wieder von Kinderlachen erfüllt. Die Wiedergeburt des Kollegiums war vielleicht die einzige Chance für Kinder, deren Eltern nicht mehr lebten, sie nicht ernähren konnten oder deren persönliche Verfassung ihnen die Erziehung ihrer Kinder nicht ermöglichte.

Im Herbst 1993 wurde die Stiftung gegründet – ein ganz wesentliches Ereignis in der Geschichte des Klosters. Damit war ein Plan vorhanden, der Zweck und die Vorhaben sind in der Gründungs-Urkunde angeführt. Nun konnte das Ziel, Kindern in Siebenbürgen, die unter miserablen Bedingungen oft am Rande des Verhungerns leben müssen, zu helfen.

Ab diesem Zeitpunkt versuchte Pater Csaba, nicht nur ein geregeltes Leben für die Kinder zu gewährleisten, sondern auch dem Schulunterricht ein noch größeres Augenmerk zu schenken. Sowohl im Kloster als auch in den öffentlichen Schulen.

Die Patenschaften

Die Idee mit den Patenschaften war genial. Und sie konnte umgesetzt werden! In kürzester Zeit gelang es, so viele Patenschaften zu gewinnen, dass Pater Csaba auf „seine Wiener“ (gemeint waren selbstverständlich auch die Laaber!) bald sehr stolz war: Immer wieder – bis heute – bedankt er sich und betont, dass er sich niemals getraut hätte, ein solches Unternehmen (das es einmal werden sollte) zu beginnen und auszubauen und über so viele Jahre durchzuhalten, ohne diese Patenschaften. Unsere Arbeit trug unmittelbar ihre Früchte – unglaublich.

Seit 1995 gibt es diese Patenschaften und viele Menschen leisten einen monatlichen oder jährlichen Beitrag. Alle Spenden kommen ungekürzt den Kindern zugute!

Die Stiftung wächst!

Seit dem Jahr 1995 kaufte Pater Csaba Wohnungen in den beiden benachbarten Wohnblocks, um dort „Sozialfamilien“ (ähnlich unseren SOS-Kinderdorf-Familien) anzusiedeln, weil das Platzangebot des Klosters nicht mehr ausreichte.

Neben der Gründung von Kindergärten in Mintia und Deva (1994 und 1995) ist die Übernahme des Klosters in Or??tie, eine halbe Autostunde von Deva entfernt, ein Meilenstein in der Geschichte der noch jungen Stiftung. Das war 1999 und im selben Jahr bekam der Orden endlich die vollständige Rückgabe des Klosters in Deva verbrieft. 1999 gelang es dem umtriebigen Pater, ein Grundstück am Cinci?-Stausee zu erwerben, das er für die Kinder nutzen wollte. Damit begann eine gewisse „Expansion“.

Die neue Küche und die Speiseräume gegenüber dem Kloster in einem ehemaligen Lebensmitteladen wurden 2000 in Betrieb genommen, im Jahr darauf entstand eine kleine Kapelle mit einem Meditationsraum im Keller eines der beiden Wohnhäuser. Im selben Jahr erwarb die Stiftung ein Grundstück jenseits der Bahntrasse, um eine Sporthalle und Werkstätten zu errichten. Und unweit wurde das „Rote Haus“ mit einem großen Grundstück als Anbaufläche für Gemüse in Besitz genommen.

2003 durften wir alle uns über bereits 100 Patenschaften freuen! Aber es kam nun auch zu Problemen mit den Behörden. Dennoch blieb Pater Csaba unerschrocken und führte sein Werk weiter aus!

Mit dem Ankauf eines großen Grundstücks in Sovata im selben Jahr begann endgültig die Ausweitung der Tätigkeit in der Stiftung. Hier wurde 2005 das neue Gebäude für etwa 100 Kinder eröffnet. Im Jahr 2004 wurden im Gebiert von Siebenbürgen mehrere Häuser eröffnet – und dies setzte sich in den folgenden Jahren fort. Heute werden mehr als 80 Stätten von der Stiftung betreut!

2010 wurde der Verein „Caritativer Verein Kinder von Deva“ gegründet, der den rechtlichen Rahmen für die Spendensammlung bot und die Weiterleitung der Spenden und die steuerliche Absetzbarkeit organisiert.

Aus dem tatkräftigen und mutigen Engagement Pater Csabas und seiner vielen Mitarbeiter ist ein großes „Gebäude der Menschlichkeit“ geworden, das zurzeit etwa 2.500 Kindern die Chance auf ein glückendes Leben und eine hoffnungsvolle Zukunft eröffnet.