Rumänien-Artikel aus früheren Pfarrinformationen

 

AUSGABE JÄNNER 2010

 

Kennen Sie Erdely?

Vermutlich nicht. Transsylvanien schon, oder? Sicher aber ist Ihnen Siebenbürgenein Begriff. Und alles bedeutet dasselbe!

Bis vor 88 Jahren gehörte dieses Gebiet zu Österreich-Ungarn. Danach wurde es durch den Vertrag von Trianon Rumänien zugesprochen. Siebenbürgen ist sehenswert, ungefähr so groß wie Österreich heute, mit vielen eindrucksvollen Städten und wundervoller Landschaft.

Ein verlassenes Kloster in Deva

Dort hat im Jahr 1993 ein junger Franziskaner Pater eine Aufgabe übernommen, die schlicht hieß: Übernimm das Kloster in der Stadt Deva, das uns die Kommunisten 1948 weggenommen haben. Csaba Böjte ging also nach Deva, nahm das Kloster in Besitz und begann mit einfachstenMitteln einen jahrelangen Kampf gegen die Bürokratie der Behörden und die Armut und das Elend der Bevölkerung. Ja, genau so muss man es sagen! Sein Mut und seine Beharrlichkeit haben im Laufe der Jahre ein Werk geschaffen, das seinesgleichen nicht findet. Denn die Projekte des P. Csaba sind beispielgebend!

Pater Csaba

Vor mehr als 18 Jahren war der erste Kontakt von Gerti Werner zu Pater Csaba geknüpft worden, der damals ein Jugendzentrum in Dej leitete. 1993 bekam er den erwähntenAuftrag, das Kloster zurückzuerobern. Die Anfänge waren bescheiden, es fehlte an allem, was zum Leben nötig war. Lebensmittel, Kleidung, finanzielle Mittel – nur bedürftige Kinder gab es im Überfluss!

Die Idee der Patenschaften

In der Pfarre Mauer sprach es sich herum. Es leben dort Kinder in desolaten Verhältnissen, wie wir sie uns nicht vorstellen können. Wir müssen helfen! Die Idee mit den Patenschaften war geboren und seit Februar 1995 wird für das „Projekt Deva“ gesammelt. Pater Csaba bekam von den Paten eine in diesem Ausmaß wohl niemals geahnte Unterstützung. Heute sind es mehr als 100 Patenschaften, auf die der rührige Franziskaner baut, und er weiß, dass er sich auf „uns“ verlassen kann. Nicht nur aus Mauer, aus Laab im Walde, aus der action 365 – und eigentlich aus
ganz Österreich kommen die Spenden. Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Die Reise

Freunde besuchen einander, auch wenn sie weit weg beheimatet sind, und Freunde sind wir, die Paten und Unterstützer der „Stiftung Hl. Franziskus“, geworden. Seit 1995 fährt immer wieder
eine kleine Gruppe von Maurern und Laabern und von der action 365 zu P. Csaba und den Kindern. Anfangs beschränkte sich unser Besuch auf die Stadt Deva, dann kamen immer mehr
„Stützpunkte“ hinzu – heute umfasst die Stiftung Hl. Franziskus mehr als 50 Häuser, in denen mehr als 1.500 Kinder in verschiedenster Weise betreut werden. So ist die Reise für all jene gedacht, die an den Projekten des Pater Csaba interessiert sind, aber auch dieses wunderschöne Land kennen lernen möchten – und selbstverständlich eine Reihe von Csabas Projekten in
Siebenbürgen!


Erhard Alexitsch

 

 

 

AUSGABE MAI 2009


P. Csaba, ein Freund zu Gast


Mit großer Freude haben wir – das sind viele Paten, Förderer und Freunde, die Pater Csaba seit Jahren verbunden sind – ihn zur gemeinsamen Feier der hl. Messe am 22. März begrüßt. Jedes Jahr kommt er uns in Wien-Mauer besuchen, und jedes Mal ist es, als hätten wir uns erst kürzlich gesehen.

Es ist unglaublich, was er in den letzten Jahren mit seiner „Kinderschutzeinrichtung“, der Stiftung Hl. Franziskus, geschaffen hat. Aus einer abenteuerlichen Aktion, in der er 1993 das von den früheren Machthabern Rumäniens enteignete Kloster in Deva zurückeroberte und für seinen Orden und sein Projekt in Besitz nahm, wurde ein großartiges Werk. Zu Anfang gab es viel Arbeit am desolaten Gebäude und viel Ärger mit den verblüfften Behörden, die nicht wahrhaben wollten, dass dieser Franziskanerpater sich erdreistete, den Willkürakt von 1948 auf seine Art zu korrigieren. Aber auch unbeschreiblich viel Freude in der Aufbauarbeit, die schon bald einer stattlichen Anzahl von Kindern zugutekam, die in trostlosen und teils elenden Verhältnissen leben mussten. Csaba schuf für sie menschenwürdige Unterkünfte, ein geborgenes Zuhause – und die Bekanntschaft mit Gott. Das Kloster in Deva war aber nur der Anfang die Mitte seines Wirkens, schon bald erweiterte der unermüdliche Pater seinen Aufgabenbereich. Er getraute sich über gewaltig anmutende Projekte und begann, das Netz für seine segensreiche Tätigkeit immer weiter zu spannen. Dies im Vertrauen auf die Liebe Gottes und den finanziellen Rückhalt, den auch wir ihm zu einem guten Teil bieten konnten. Heute sind es fast 50 Stätten in ganz Siebenbürgen, die nicht weniger als 1.800 Kindern die Chance auf ein hoffnungsvolles Leben bieten.


In der Agape nach dem Gottesdienst dankte Csaba uns allen, besonders aber Gerti Werner. Sie war damals schon, als sie Csaba kennenlernte, davon überzeugt, diesen Menschen mit seinen Ideen nach besten Kräften unterstützen zu müssen. Und das ist mit den Patenschaften wahrlich gelungen! In der Gewissheit, dass wir als seine Freunde ihn weiterhin mit Gebet und finanziellen Mitteln unterstützen, trat er die Heimreise an. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!

Erhard Alexitsch

 

Wenige Tage nach seinem Besuch erreichte uns die folgende Nachricht:

Vor 18 Jahren, als ich noch Seelsorger war in Dej, hat mich eine sehr liebe Dame aus Wien besucht, Gerti Werner, und es war gut mit ihr zu beten, zu diskutieren, zu träumen. Als junger Priester habe ich begeistert von einer besseren, brüderlicheren Welt geredet, und sie hat leise zugestimmt und ist eine liebe Mitstreiterin geworden. Sie ist nach Wien gefahren und hat ihren Freunden über unsere Träume und Pläne berichtet – und ist auf ein positives Echo getroffen. In der Pfarre St. Erhard-Mauer und in der action 365 haben sich viele Schwestern und Brüder auf unsere Seite gestellt. Diese beinahe 100 Gleichgesinnte zählende Gruppe hat uns still aus dem Hintergrund mit ihrem Glauben, Gebeten und auch finanziell unterstützt. Dadurch wurde das Fundament der Stiftung Hl. Franziskus gelegt, und so konnte die erste Kinderschutzeinrichtung in Deva eröffnet werden. Sie unterstützen gewissenhaft unsere Arbeit seit 16 Jahren, ich besuche sie jährlich, um über unsere gemeinsamen Kinder zu berichten, von der Arbeit, die ohne ihre Unterstützung nicht möglich gewesen wäre. Letzten Sonntag habe ich sie wieder besucht.

Gott soll Eure treue Liebe und Zuversicht vergelten, woraus im Laufe der Jahre das Lachen vieler Kinder, viele gute Noten und viel weißes Brot geworden sind.

P. Csaba OFM, 25. März 2009

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AUSGABE FEBRUAR 2008    

Liebe österreichische Schwestern und Brüder!

Aus ganzem Herzen wünsche ich Euch ein frohes, erfolgreiches, glückliches Neues Jahr.

Neben meinen Glückwünschen möchte ich Euch über unsere schöne große Familie informieren. Über die Familie, die wir gemeinsam gegründet haben, als wir die armen Kinder von der Strasse aufgenommen haben.

Rückblickend auf die vielen Jahre wundere ich mich selber über das selbstverständliche Vertrauen, mit dem wir 1992/93 begonnen haben. Ich habe Euch vertraut, dass die versprochene Unterstützung von Euch kommen wird, und Ihr habt mir vertraut, dass die großherzige Spende dafür verwendet werde, wofür sie gewidmet war. Und wir alle haben daran geglaubt, dass die armen Straßenkinder erziehbar und formbar sind und dass in dieser schönen Arbeit auch die aus der kommunistischen Diktatur gerade herausgekommenen rumänischen Behörden integriert werden können. Vertrauen! Und jetzt, unsere Kinder betrachtend, kann ich es kaum glauben, dass unser Vertrauen so wunderbare Früchte gebracht hat!

Wie Ihr wisst, haben die damals kleinen und unversorgten Kinder nicht nur 4 Klassen Volksschule absolviert, sondern viele von ihnen lernen bereits an der Universität und anderen Hochschulen. Der erste Junge, den wir in 1992 aufgenommen haben, Zoltán, hat im vergangenen Sommer sein Diplom nach fünfjährigem Studium an der Wirtschaftsuniversität erhalten. Und danach kommt eine Reihe Anderer, die beweisen, dass das Vertrauen auch im 21. Jahrhundert Früchte trägt!

Viele sind aus Deva weggegangen, um in höheren Schulen weiter zu studieren, dennoch sind unsere Häuser nicht leer geblieben. Viele neue Kinder klopfen immer noch an die Türen unserer großen Familie, und kein Bett bleibt leer. Mit Freude kann ich berichten, dass nicht nur Deva, sondern auch unsere anderen Häusern komplett voll sind und momentan mehr als 700 Kinder in unseren 16 Kinderschutzzentren wohnen und erzogen werden.

In diesem Bericht möchte ich mich hauptsächlich auf unsere erwachsen werdenden Kinder konzentrieren. Vor drei Jahren ist es uns gelungen, in Klausenburg für die dort Studierenden ein Haus mit 300 m² Fläche zu erwerben. Dieses Haus war im ersten Jahr ausreichend groß, jedoch bereits im Vorjahr schon zu klein für 30 Studierende, und so mussten einige in sehr teure Untermieten ausweichen. In Anbetracht dessen hat der Provinzial unseres Ordens ein schönes Grundstück zur Verfügung gestellt, wo wir ein Studentenheim für etwa 50-60 Personen bauen könnten. Nun haben wir begonnen zu planen, zu träumen, nach entsprechenden Sponsoren zu suchen, um die Unterstützung zu bekommen für dieses sehr schöne, aber kostspielige Unternehmen. Bis jetzt hat eine aus norwegischen Studenten bestehende Gemeinschaft mit viel Liebe und Begeisterung ihre Unterstützung zugesagt. Wir hoffen und beten für den Segen des allmächtigen Gottes, damit wir dieses Studentenheim für unsere Kinder tatsächlich bauen können. Wir wollen für jene Kinder bauen, die ohne unsere Unterstützung nicht einmal vier Klassen der Unterstufe hätten absolvieren können. Sie haben uns vertraut, haben auf uns gehört, als wir sie ermutigt haben zu lernen, damit sie eine Zukunft haben. Sie haben gelernt, und ich fühle, dass es gut wäre, für sie das Tor für ein weiteres Studium zu öffnen.

Ich danke aus ganzem Herzen, dass unsere lieben österreichischen Schwestern und Brüder bis jetzt uns immer die Treue gehalten haben und bei allem hinter uns gestanden sind. Auf Gott vertrauend beten wir, dass alles, was für uns mit viel Liebe getan wurde, jene ewigen Schätze hervorbringt, die von Rost und von Motten nicht zerfressen werden, sondern für das ewige Leben erhalten bleiben. Gott gebe es, dass diese Kinder, die für Eure Güte hier auf Erden nicht danken können, dann im ewigen Leben für Euch und für Eure Familien betend dafür danken, was Ihr für sie selbstlos getan habt.

Mit der Liebe der minderen Brüder wünsche ich Euch nochmals ein glückliches Neues Jahr.

Pater Csaba

 

AUSGABE APRIL 2007    

Mein Wienbesuch!

Aus Gottes Gnaden bin ich aus Wien mit Marika Pal, Robert Karda, und Krisztina Csekö, die ab ersten März für die Verbindungen zu unseren westlichen Freunden verantwortlich ist und in unserem neuen Büro in Budapest arbeiten wird, zu Hause angekommen. Livia Szilvai, die vor Krisztina für diese Arbeit zuständig war, hat geheiratet und im Frühjahr erwartet sie bereits ein Baby. Gottes Segen soll ihr Leben weiterhin begleiten.

In Wien gibt es eine liebe österreichische Gruppe, die von der Gerti-Tante geleitet wird. Und die ersten strategischen Unterstützer unserer Stiftung haben für viele, viele Kinder die Rettung bedeutet, denn was sie von uns in Deva und in Siebenbürgen bekommen haben, können sie nur ihnen verdanken. Für diese Güte können wir unserem allmächtigen Herrgott nicht oft genug danken. Das Treffen mit ihnen, obwohl durch die sprachlichen Probleme etwas erschwert, gehört zu den schönsten Minuten meines Lebens, weil ihr ehrliches Vertrauen und ihre bedenkenlose Liebe mir sehr oft geholfen haben, die Anfangsschwierigkeiten zu überwinden. Ich hätte nie gedacht, dass Menschen, die so weit weg von uns leben, so gut sein können und uns so viel bedeuten werden. Gottes Segen soll sie alle begleiten, besonders dem ältesten Mitglied der Gruppe, das heuer 100 Jahre alt wird. Auch konnten wir hier in Wien Joachim Klinger und seine liebe Mitarbeiterin aus Linz treffen, die uns bereits seit Jahren liebevoll und tatkräftig unterstützen und oft besuchen. Diese lieben österreichischen Schwestern und Brüder haben uns durch viele Schwierigkeiten begleitet und immer wie­der ermuntert. Ich glaube, ohne ihre Hilfe wäre unsere Stiftung im Jahr 1993 nicht lebensfähig gewesen. Es ist wunderbar, dass diese Gruppe von Unterstützern unsere Arbeit noch immer aufmerksam verfolgt, wie sich die Kinder entwickeln. Nicht nur aus der Ferne, sondern auch an Ort und Stelle wollen sie im Herbst unsere Häuser besuchen, um die Kinder, die aus ihrer Güte groß geworden sind, zu umarmen.

Wir verrichten unsere Arbeit nicht nur mit Liebe, sondern aus Liebe, denn alles das, was die Kinder mit gütiger Liebe von uns bekommen, wir auch von anderen Menschen aus Liebe erhalten. Was könnten wir demütig für all das zurück­geben, als unsere in Gebet gefasste Danksagung an den Allmächtigen und an seine gütigen Kinder. Der Herr soll es geben, dass die Liebe und die Güte, Solidarität und Gnade unsere Welt gestalten soll, nach dem Bild des liebenden Gottes.

Mit dankbarem Herzen, Pater Csaba

 

Frühere Artikel

 

 

AUSGABE FEBRUAR 2006

Pater Csaba hat anlässlich des Weihnachtsfestes wie alljährlich einen Brief an seine Freunde geschrieben. Weihnachten ist zwar längst vorbei, und dennoch können wir aus seinen – hier auszugsweise wiedergegebenen – Worten erfühlen, welche Gedanken ihn an diesem Fest bewegten.

Erhard Alexitsch

Liebe Schwestern und Brüder! Schöne Geschenke Gottes!

Dezember ist der Monat der Bescherung. Wir alle möchten einander, unseren Möglichkeiten entsprechend, mit kleineren oder größeren Geschenken eine Freude bereiten. Stell dir vor, dass du in bester Absicht, mit deinem gesparten Geld ein kleines Geschenk machst, es schön einpackst und überreichst, wobei du gespannt das Gesicht des Beschenkten beobachtest. Was würdest du empfinden, wenn der andere eine Fratze ziehen und dich grob fragen würde: „Ist das alles?“ Es wäre fürchterlich, nicht wahr?

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Was wohl unser Herr denkt, wenn Er sieht, dass wir uns über Seine vielen Bescherungen nicht freuen können? Durch Seine überquellende Liebe baut, formt und verschönert Er unsere Welt seit fünf Milliarden Jahren – laut der Wissenschaftler – und Er bekommt von uns nur Gequäke, Unzufriedenheit und Misstrauen. Einmal war ich sehr erstaunt, als ich in der  Heiligen Schrift die Stelle las, wo Jesus sein erstes Wunder vollbracht hatte, in Kana, als Maria ihm sagt, dass der Wein aus ist. An Jesu Stelle hätte ich sicherlich gesagt: „Wer hat schon so was gehört? Was sollen die Leute sagen, Mutter? Soll es mein erstes Wunder sein, den Leuten Wein zu geben? Sie bräuchten auch Bibeln … ja, vielleicht Schuhe und Kleider würde ich ihnen gern geben, aber Wein?!“

Wie schön, dass Gott nicht so kleinlich denkt wie ich. Er beschenkt das junge Paar mit beinahe sechshundert Liter Wein. In seiner überquellenden und unermesslichen Liebe hält er keine Predigt zu seinem Geschenk und fügt nicht hinzu: „Ihr sollt den Wein euch gut einteilen!“ und „ Wehe, wenn sich jemand von euch betrinkt!“ Nein, Gott liebt uns, er beschenkt uns, weil er der bescherende Herr ist. Wo auch immer man die Heilige Schrift aufschlägt, erkennt man die Gesichtszüge eines Herrn, der ohne Maß gibt und liebt.

Wenn man in der Welt herumschaut, erfährt man wiederum überall Seine Güte. Alles um uns her könnte ebenso gut einfach schwarz-weiß erscheinen, wie es früher im Fernsehen war! Wie schön, dass es so viele Farben gibt! Die Autos werden überall mit demselben Sprit getankt, es gibt keinen Diesel mit Erdbeergeschmack und kein Schoko-Benzin, und doch fahren die Wagen. Ebenso hätte Gott sagen können: „Hier habt ihr Kartoffeln und Karotten, und damit müsst ihr auskommen, es muss reichen!“ Wie schön, dass uns Gott mit seiner unermesslichen Liebe mit so vielen Farben, Formen, Düften und  Geschmacksrichtungen beschenkt hat! Dank sei Gott, dem Herrn, für alles!

Ein Jugendlicher aus unserem Kinderheim hatte eine Herzoperation. Eine künstliche Herzklappe der einen Aorta musste bei ihm eingepflanzt werden. Die komplizierte Operation hat 8.000 Euro gekostet. Wann haben wir für das „Set“ mit vier Klappen, das der Herr in unser Herz gepflanzt hat, gedankt? Gott hat uns Eltern, Geschwister und Freunde geschenkt, die uns lieben, uns akzeptieren und sich über uns freuen. Er möchte uns mit einer heiligen Berufung bescheren, dass wir seine Partner werden bei der Weiterschöpfung der Welt, indem wir für Kinder sorgen, Schulen und Häuser bauen, Rosen züchten, um die Welt zu verschönern. Bauen wir an seinem Reich, „dein Reich komme“, damit jeder von uns ein Zuhause hat! Diese großzügige, unermessliche Liebe ist ein Geschenk – der schönste Gesichtszug Gottes. 

Wie bereits angekündigt, laden wir alle Interessierten sehr herzlich zum Informationsabend mit Pater Csaba ein. Er und  einige seiner Mitarbeiter werden über den neuesten Stand der nun schon zahlreichen Projekte berichten. Willi Peer hat einen kurzen Film über die Eröffnungsfeier im September 2005 in Sovata vorbereitet. Zur anschließenden Agape ist wie immer für Speis und Trank gesorgt.

 

 

 

AUSGABE OKTOBER 2005

Liebe Schwestern und Brüder!

Für mich waren die vergangenen dreizehn Jahre in Deva ein unendliches, pulsierendes, fantastisches Wunder des lebendigen Gottes. In diesen Jahren habe ich nicht nur die unendliche Größe, spielerische Liebe und fürsorgende Gegenwart Gottes erfahren, sondern auch die unaufhaltsame Entfaltung seines Reiches. Es war ein großes Erlebnis Tag für Tag zu sehen, wie gut und heilig der Mensch und die Welt, von Gottes Hand geschaffen, ist.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn irgendwo ein Kind darum weint, weil es auf den Schoß genommen werden will, dann gibt es sicherlich einen Erwachsenen, der sich danach sehnt, ein liebes Kind auf den Schoß zu nehmen. Ich glaube daran, dass es irgendwo ein Haus gibt, dessen verstaubte Stille sich danach sehnt, von lautem Kinderlärm aufgewirbelt zu werden, und ich weiß es ganz genau, dass es irgendwo „einen Patenvater, eine Großmutter oder Tante“ gibt, der oder die gern den von Gott ihnen geschenkten Wohlstand mit einem in Not geratenen Kind teilen möchte. Es ist auch für mich un­glaublich zu erleben – aber unsere Institutionen können wirklich funktionieren, wenn wir für jedes Kind täglich einen Euro bekommen. Wie viel wird in den großen Topf gepackt und wie viel wird daraus herausgenommen und der Topf ist noch nie leer geworden. Es ist ein Wunder für mich!

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Das größte Wunder ist, wie sich die Kinder tagtäglich entfalten, entwickeln und schöner werden. Es ist wahr, dass Gott keinen Müll schafft, jedes Kind ist ein Meis­terwerk des unendlich Guten. Wie man den Kartoffeln, die man im Frühling in die milde Erde pflanzt, nicht erklären muss, dass sie keimen müssen, und in welche Richtung das reine Licht und das Leben zu suchen sind, ebenso entfalten sich und wachsen die Kinder, die in ein warmes Zuhause kommen, und entwickeln sich in eine glückliche Zukunft, die von Gott für sie vorhergesehen ist. Natürlich weiß ich, dass das Böse jeden Tag wie ein brüllender Löwe um uns lauert und sucht, wen es verschlingen kann. Aber ich habe auch erfahren, dass den demütigen Menschen, die sich auf Gott ausrichten, alles zum Vorteil wird, sogar das Misslingen und das Hinfallen.

Ich spüre, dass wir weitergehen müssen. Wir müssen uns demütig immer wieder zu den aus dem Nest gefallenen Kindern und den zerrütteten Familien niederbeugen. Wir müssen unsere Häuser, die dem Leben dienen, weiter entwickeln und an den Orten, wo wir keine Heime haben, müssen wir neue ins Leben rufen. Ich glaube daran, dass wenn man dem Leben dient, Gott dient. Unsere Häuser sind Häuser des Lebens, Tempel! Kleine Tempel, in denen sich Gottes Liebe, wenn wir auf den Heiligen Geist achten, nicht nur im Brot und Wein, sondern auch in den Herzen der Kinder und Mitarbeiter verbirgt. Eine Metamorphose! Wir wurden aus einer Hand voll Asche geschaffen, aber wir sind Kinder und Mitarbeiter Gottes an seinem Werk, die Welt ständig schöner zu schaffen. Wir müssen nicht nur bitten, indem wir im Vaterunser beten „Dein Reich komme“, sondern wir müssen auch die Höhlen von Bethlehem in „Zu Hause“ verwandeln, damit die Liebe und das Gute Realität wird. Es ist schön zuzusehen, wie das Volk Gottes das Reich Gottes hier auf Erden baut.

Ich möchte ein Kinderschutznetz im Becken der Karpaten zustande bringen. Unsere Kinderschutztätigkeit hat momentan sieben Ebenen:

1.         Soziale Mission
2.         Koordinierende Hilfszentren
3.         Horte
4.         Internat
5.         Soziale Familien
6.         Zuhause schaffen
7.         Hilfszentrale für Mütter mit Kleinkindern
 

Es ist uns bewusst, dass das Leben keine Mathematikaufgabe ist. So ist es sehr schwer, die Wirklichkeit in ein System zu setzten, aber es ist wichtig, dass der Kinder­schutz in seiner ganzen Tiefe und Breite in ganz Sieben­bürgen ausgebaut wird. Deshalb bitten wir alle demütig, die mit unseren Plänen einverstanden sind, für den Ausbau unseres Netzwerks, ein Euro Unterstützung pro Monat zu geben. Wenn hunderttausend Personen monatlich einen Euro überweisen würden, dann glaube ich daran, den oben erwähnten Traum in einigen Jahren verwirklichen zu können.

Wir haben eine riesige Arbeit vor uns, aber wir arbeiten für uns selbst, für das Leben, für die Zukunft, und inso­fern ist es beinahe gleich, ob einem applaudiert oder gepfiffen wird, ob Geld gegeben oder Geld für Genehmigungen verlangt wird, wichtig ist, dass das Leben in Christus sich entfaltet und wächst.

Herzlich, P. Csaba ofm

AUSGABE NOVEMBER 2004

Die Wallfahrt nach Csíksomlyó

Vom 4. bis zum 11. September fand nach 7 bzw. 4 Jahren wieder eine Rumänienreise verbunden mit einer Wallfahrt nach Csíksomlyó statt. Zwanzig Teilnehmer entdeckten unterwegs viele Sehenswürdigkeiten, feierten gemeinsam hl. Messe, hielten Andacht und hatten beglückende Begegnungen mit Kindern. Zwei Teilnehmer – Verla Twaroch und Walther Gasché – geben ein paar Eindrücke hier wieder. Sie mögen die Stimmung und die Freude, die sie in Deva begleiteten, ein wenig widerspiegeln.

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Am Nachmittag geht es zu Fuß zur Einsiedelei oberhalb des Ortes Csíksomlyó. Dort feiern wir unter herbst­lichen Bäumen hl. Messe mit Pater Csaba. Er spricht in einer berührenden Predigt von Maria und ihrer Berufung, wie wir ihren Weg in unserem Leben umsetzen können. Und: Gott liebt jeden Einzelnen von uns – wir sollen uns bemühen, in unserem Nächsten dessen liebenswerte Einzigartigkeit aufzuspüren und zu fördern.

P. Csaba kommt mit bewegter Stimme auf das Wunder von Deva zu sprechen, das mit Gottes Hilfe und aus unseren bescheide­nen Beiträgen seit vielen Jahren geschieht. Wir erkennen Entwicklungen, Situationen, die vor 12 Jahren, als alles seinen Anfang genommen hatte, noch nicht vorstellbar waren, und dabei dürfen wir Zeugen und Teilhaber sein.

Eine tiefe Verbundenheit in Jesus ist für mich und – wie ich denke – für viele der Teilnehmer spürbar. Gegen Ende der Messe kündigt sich ein herannahendes Unwet­ter durch Sturmböen an. Manche von uns werden unru­hig und schauen ängstlich immer wieder zum Himmel hinauf, wo es bedrohlich dunkel wird. Der Sturm wirbelt die Blätter um uns hoch. Ich nehme es für mich als Zeichen wahr, dass Gott manchmal unser Herz prüft und wir in jeder Situation vertrauen dürfen. So ist es uns geschenkt, dass wir gemeinsam mit den Kindern noch Kommunion feiern und dann – nur rasch den Berghang hinunter – noch rechtzeitig die schützenden Mauern erreichen.

P. Csaba führt uns nach Sovata, wo wir im Keller der Baustelle (Neubau nach der Brandstiftung am Karfreitag 2004) mit Blumen, Kaffee, Tee, Süßigkeiten und Knabbereien an gedeckten Tischen empfangen werden. Judit Márton – die die Wallfahrt organisiert hatte – zeigt uns die Pläne für die acht Wohneinheiten mit Gemeinschaftsräumen im Kellergeschoss. Sie erledigt hier die Planung und Bauleitung ehrenamtlich. Wir erfahren auch von Hilfestellungen der Menschen aus der Umgebung: Firmen liefern Baumaterial zum Selbstkostenpreis, Baufirmen schicken Bauarbeiter unentgeltlich auf die Baustelle; Kinder werden bis Schulschluss unentgeltlich aufgenommen und verpflegt.

P. Csaba hat Visionen. Ein Beispiel: Er steht mitten in der 12.000 m² großen vor 14 Jahren aufgelassenen ver­fallenen Hühnerfarmhalle einer ehemaligen Kolchose in Mintia. Und er sieht schon die Lehrwerkstätten entstehen, in denen seine Kinder ausgebildet und einmal arbeiten werden. Er steht vor den Fragmenten eines verfallenen Stalles und sieht schon Wohnungen und Schulklassen, die seine Kinder mit Leben füllen. Genauso hatte er das verfallende Kloster in Deva vorgefunden und damals bereits die Schulklassen und Wohnräume, in denen seine Kinder nun leben, gesehen. Wenn die Dankbarkeit für das Ermöglichen dieses täglichen Einsatzes seit zwölf Jahren von den Kindern und P. Csaba uns gegenüber ausgesprochen wird, fühle ich mich oft nicht ganz wohl in meiner Haut. Habe ich diesen herzlichen Dank wirklich so verdient?

P. Csaba erlebe ich angerührt vom Heiligen Geist und tief erfüllt von einem starken Glauben an die Liebe Jesu, die durch uns Menschen weitergegeben werden soll. Während er uns die renovierten Klassenzimmer – sowie Arbeiten einiger nunmehr in Holzverarbeitung ausgebildeter Väter seiner Kinder – zeigt und über seine Zukunftsprojekte spricht, schmiegt sich die kleine Zsuzsa an ihn und genießt sichtlich seine streichelnden Hände.

Wir sprechen mit Kindern. Ich weiß nicht, wieso in Zusammenhang mit P. Csaba auf einmal die Rede auf das Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“ kommt. Da meint Julia strahlend: „So ist das mit P. Csaba! Ein ganz kleiner Stein, der angestoßen wurde, und so eine Wirkung! Ich weiß nicht, woher er die Kraft nimmt. Das muss der Heilige Geist sein! Wir lieben P. Csaba sehr!“

Viele der Jugendlichen wollen auch nach der Matura noch einige Jahre bei P. Csaba arbeiten, als Erzieher oder Lehrer, um die empfangene Liebe weiterzugeben. Auch Julia will nach ihrem Studium zuerst einige Zeit in Deva und dann in ihrer Heimatstadt Oradea unterrichten.

Zum Abschied – nicht ganz ohne Tränen – erhalten wir von den Kindern selbst angefertigte kleine Tisch-Holzkreuze. Sie sollen uns daheim im Gebet mit P. Csaba und den Kindern in Deva verbinden.

AUSGABE FEBRUAR 2004

Pater Csaba hat am Heiligen Abend seine Gedanken zu Papier gebracht, sie sind hier auszugsweise wiedergegeben. Obwohl sie auf Weihnachten Bezug nehmen, bleiben sie doch für das ganze Jahr gültig. Nicht nur für Deva oder Rumänien – auch wir sind davon betroffen.

Erhard Alexitsch

 

Ich stelle mir die einfache, stille Höhle in Bethlehem vor, mit der Heiligen Familie, dem Jesuskind. Welch verblüffende Einfachheit! Der Herr des Universums kommt mit leeren Händen auf die Welt! Bringt nichts, weil Er selber der Segen ist, das Geschenk. „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.“ Joh 3,16

Das große Geheimnis: Der Mensch, der Gottes Liebe trägt, ist der Segen, das Geschenk!

In den vorweihnachtlichen Betrachtungen habe ich meine Kinder dazu ermuntert, selbst die Rolle von Jesus zu übernehmen, damit sie sich zu Geschenken verwandeln, zu Gottes tröstlichem Segen. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt – habe ich zu meinen Kindern gesagt – dass er euch erschaffen hat, damit ihr dort, wo ihr seid, alle Menschen aufmuntert, erfreut, damit sich alle glücklich fühlen.

Oft habe ich hier, unter der Burg von Deva, über Kelemen Kömüves *) nachgedacht. Was mag wohl dieser Mensch gefühlt haben, als das Geld, das er durch den Tod seiner Frau verdient hat, vor ihm am Tisch lag. Seine Familie ist zerfallen, seine Frau und sein kleiner Sohn sind dahin, und vor ihm liegt eine Menge Geld, Reichtum. Die Krankheit des Kelemen Kömüves ist sehr ansteckend. Die Burg, das Haus, der Ruhm, das Geld, die materielle Welt sind wichtig, und dafür geben viele Menschen alles andere hin. Ich habe mit den jungen Menschen geredet, die für nächstes Jahr ihr zehnjähriges Matura-Treffen vorbereiten. Sechsundzwanzig haben es geschafft, und beinahe alle sind hier geblieben. Aus ihren Reihen haben nur wenige eine Familie gegründet, und nur sechs von ihnen haben für je ein Kind die Verantwortung auf sich genommen. Zehn Jahre, sechsundzwanzig junge Menschen und sechs Kinder, und ich weiß, dass die Kennzahlen nicht nur in Deva so stehen.

Ich fühle, dass sich etwas sehr verschlechtert hat. „All das gebe ich euch“, hat der böse Geist gesagt. Die materielle Welt, aller möglicher Krempel aus Plastik und Chrom ist das Lebensziel geworden. Nicht die Familie ist wichtig, sondern das Haus. Nicht das Kind und die Liebe sind wichtig, sondern alles, was wir dem Kind, das nicht geboren wird, geben wollen.

Unsere Welt verschwendet die Reserven der Erde mit atemberaubender Geschwindigkeit. Die Wälder werden gerodet, die Kohlenbergwerke ausgebeutet. Die Rohölreserven der Erde reichen noch für etwa 40–50 Jahre. Oft war ich im Zsil-Tal. Die dortigen Ingenieure haben fest­gestellt, dass bei sinnvollem Abbau die Kohle auf viele Jahre hinaus für viele Menschen eine geregelte Arbeit bedeutet hätte. Leider hat die diktatorische Regierung hunderttausende junge Menschen hingetrieben, die ohne Achtung auf die erschaffene Welt, unter einer wahnsinnigen Führung den Kohleabbau betrieben haben. Die vergewaltigten Kohlebergwerke sind zum Großteil leer, und die Menschen, die davon gelebt haben, erwarten die Hilfestellung von woanders. Ich bin überzeugt, was heute im Zsil-Tal gilt, wird in 10–20 Jahren in ganz Rumänien eintreten und in 20–30 Jahren für die ganze Welt gültig sein, wenn wir unseren wahnsinnigen Lauf nach materiellen Dingen nicht stoppen. Im Zsil-Tal kann noch materielle Unterstützung erwartet werden, wer wird aber für ganze Länder und schließlich für die ganze Welt eine Unterstützung gewähren, um zu überleben?

Du verstehst es nicht? Wer könnte uns sagen, wie viele Millionen Tonnen nicht nachwachsender Energieträger wurden für den Krempel, der heuer zu Weihnachten in den Geschäften der Welt für Einzelkinder gekauft wurde, damit dieser dann, während der Monate Januar und Februar, auf den riesigen Abfallhaufen der Welt geschaufelt und dort enden wird? Denk an deine Wünsche: riesiges Haus, Zentralheizung, Telefon, Kabel-TV, Internet, Wasser, Elektrizität, Auto, wenn möglich mehrere, und Kleider und feine Speisen und Urlaub. Wie viel Tausend Fass Erdöl sind das alles? Multipliziere deine materiellen Wünsche mit sechs Milliarden (denn alle Menschen haben die gleichen Rechte!) und vergleiche mit der so erhaltenen unendlich großen Zahl alle unsere Energiereserven auf der Erde, und dann weißt du, worüber ich rede. Ohne bewusste Selbstbeschränkung geht unsere Welt zu Grunde!

Eine Erlösung für unsere Welt vom Zurückfallen in Barbarei und Verderben kann nur eine bewusste Änderung in den Werten bewirken, die heutige verbrauchsorientierte und genießende Kultur muss durch ein stilles Leben aus Bethlehem und Nazareth ersetzt werden, damit wir Christus würdig nachfolgen können. Einen anderen Weg gibt es für die Menschheit nicht.

In unserer Welt ist nur die Liebe unendlich, die Liebe ist Gott, alles andere ist endlich.

Tauchen wir unsere Seele in die unendliche Liebe Gottes, wenigstens jetzt während der Feiertage (vielleicht gewöhnen wir uns daran).

Die weihnachtliche Botschaft heißt: Die Glückseligkeit ist in dir, und du kannst es in Gottes Namen deinen Kindern, deiner Gefährtin, allen Menschen schenken. Tue es mit Demut, denn du wurdest dafür geboren!

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*)         Dieser hat der Sage nach die Burg in Deva gebaut. Aber der Mörtel verband die Steine nicht und die Mauern brachen stets über Nacht in sich zusammen. Die Maurer beschlossen daraufhin, die erste Frau, die ihren Mann besuchen kommt, zu töten und deren Blut unter den Mörtel zu mischen, um diesen haltbar zu machen. Unglücklicherweise kam die Frau des Baumeisters vorbei, sie wurde geopfert und die Mauern halten bis heute.

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Pater Csaba – ein Mann gibt vielen Hoffnung