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Füreinander beten

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Aus einem Newsletter der Münchner Jesuiten

Jetzt sind wir nur wenige Jesuiten und Freunde, die wir uns täglich auf Zuruf in der Kreuzkapelle in St. Michael versammeln und miteinander Messe feiern. Manche nennen das ein Privileg. Wir sollten doch, wie alle anderen, die nicht kommen können, eucharistisch „fasten“. Dabei ist mir in diesen Tagen so präsent wie noch nie, was normalerweise mit dem altertümlich klingenden Wort 'Stellvertretung' bezeichnet wird. In unserer Kapelle schaue ich jeden Tag auf ein großes Altarbild, wo Jesus dem unter dem Kreuz stehenden Jünger seinen eigenen Platz als Sohn seiner Mutter zuweist (Joh 19,25-27). Das meint Stellvertretung: Dort einspringen, wo wir gebraucht werden, wo Jesus Christus uns braucht. Er vertraut uns einander an. Wir treten einer für den anderen vor Gott und füreinander ein. Das ist Kirche, dass irgendjemand da ist und das tut.

„Jemand muss zuhause sein, Herr, wenn du kommst. / Jemand muss dich erwarten, unten am Fluss, vor der Stadt. / Jemand muss nach dir Ausschau halten, Tag und Nacht… / Das muss immer jemand tun mit allen anderen und für sie./ Und jemand muss singen, Herr, wenn du kommst./ Das ist unser Dienst: Dich kommen sehen und singen. Weil du Gott bist.“

So hat die Schweizer Ordensschwester Silja Walter das Gebet ihrer Gemeinschaft für die Menschen, für die Kirche, ja für die ganze Welt gedeutet: Stellvertretend für den anderen Menschen, der unser Gedenken, unsere Hilfe und unser Gebet braucht.

Füreinander beten, darin beweist sich in diesen Tagen unser Glaube. Das können wir alle tun, auch wenn gemeinsame Gottesdienste nicht mehr möglich sind. Trotzdem bleiben wir nicht stumm vor Gott. Wir brechen das Schweigen für die anderen, die vielleicht selbst dazu keine Worte finden. Mit unserem Beten hüllen wir die Menschen, die jetzt ganz besonders auf Gottes Zuwendung angewiesen sind, in Gottes und unsere Liebe ein. Diejenigen, die jetzt kranke und ältere Menschen pflegen und ihnen beistehen, diejenigen, von deren Einsatz unser ganz alltägliches Leben abhängt. Sie alle schließen wir demonstrativ in die Gemeinschaft derer ein, die sich auf Gott verlassen. Wir lassen niemanden allein, vor allem diejenigen nicht, die jetzt viel Kraft brauchen und die besonderen Schutz benötigen.

„Betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten.“ (Jak 5,16)

Seien Sie sich sicher, ich nehme auch Sie mit in mein Gebet. Bleiben Sie gesund!

P. Martin Stark SJ (München)

erstellt am 2020-03-22 um 03:49:30 von Kurt Schmidl